Genveränderungen in dem Gen SPG7 wurden lange nur bei Erkrankten mit Spastik (hereditäre spastische Spinalparalyse, HSP) in Betracht gezogen, nicht aber bei Erkrankten mit Ataxie.
In den letzten 10 Jahren wurde jedoch deutlich, dass nicht nur 30–60 % aller SPG7-Patienten auch eine begleitende Ataxie haben, sondern dass Ataxie auch das führende – und teilweise sogar einzige – Symptom der Erkrankung sein kann. Insbesondere die häufige Genveränderung p.Ala510V scheint häufig zu einer Ataxie zu führen.
Inzwischen wird angenommen, dass SPG7-Ataxie sogar häufiger sein könnte als ARSACS. Zumeist ist bei der SPG7-assozierten Ataxie neben dem Kleinhirn auch die zentrale motorische Bahn im Rückenmark (Pyramidenbahn) gestört, was sich mit Steifigkeit (Spastik) äußert; darum spricht man bei diesem Erscheinungsbild auch von einer „spastischen Ataxie“. Die Spastik tritt meist jedoch erst im Verlauf der Erkrankung auf und fehlt am Krankheitsbeginn bei bis zu 65 % der Erkrankten mit SPG7-Ataxie. Das durch das SPG7-Gen codierte Eiweiß Paraplegin ist in den Mitochondrien der Zellen verortet. Dieses erklärt, warum neben Kleinhirn und Pyramidenbahn oftmals noch weitere Teile des Nervensystems betroffen sind, wie man es bei anderen mitochondrialen Erkrankungen kennt: Lähmung der Augenmuskeln (Ophthalmoparese), Strukturabbau des Sehnervs (Optikusatrophie) oder beidseitig herabhängendes Augenlid (Ptosis).
Bei SPG7-Ataxie bleiben die hieraus entstehenden Funktionseinbußen jedoch zumeist mild und entstehen erst später im Krankheitsverlauf. Sie fallen meist eher dem untersuchenden Neurologen bzw. Augenarzt als dem Betroffenen selbst auf. SPG7-Ataxie beginnt später als viele anderen ARCAs, im Mittel erst zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr, allerdings mit einer recht großen Spannweite (10–70 Jahre).
Genauere Längsschnitt-Untersuchungen zum natürlichen Erkrankungsverlauf werden jedoch gerade erst an verschiedenen europäischen Zentren durch das PROSPAX-Konsortium durchgeführt.