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Bei der SCA27B handelt es sich um eine langsam fortschreitende, genetisch bedingte Ataxie-
Erkrankung, die durch eine GAA-Repeatexpansion im FGF14-Gen verursacht wird. Die Beschwerden
sind überwiegend auf das Kleinhirn beschränkt und beginnen häufig mit Ataxie-Episoden.

Häufigkeit

Die SCA27B zählt in Deutschland neben der SCA3 und SCA6 zu den häufigsten SCA-Formen. Wie
viele Menschen an einer SCA27B erkrankt sind, ist wie für andere SCA-Formen nicht genau bekannt
und regional sehr verschieden. Nach einer Schätzung aus dem Jahr 2014 sind weltweit je 100.000
Einwohner zwischen 0 bis 5,6 Menschen an einer SCA (egal welche Form, d. h. alle SCAs
zusammen) erkrankt, im Schnitt 2,7 Menschen je 100.000 Einwohner. Weltweit macht die SCA27B
einen sehr unterschiedlichen Anteil der dominant vererbten Ataxien aus. Während sie beispielsweise
unter französisch-kanadischen Patienten als häufigste SCA-Form gilt, scheint sie in Ost-Asien sehr
selten vorzukommen.

Beschwerdebild (Symptome)

Die Erkrankung betrifft überwiegend das Kleinhirn. Häufig treten die ersten Symptome nur
episodenhaft auf, bevor sich eine langsam fortschreitende Ataxie entwickelt. Episodische
Verschlechterungen sind auch im Verlauf der Erkrankung möglich und können durch Alkohol, Koffein
oder körperliche Anstrengung ausgelöst werden. Häufig besteht eine Überempfindlichkeit für Alkohol.
Morgens sind die Beschwerden oft schlechter. Zu den häufigsten Symptomen zählen eine Stand- und
Gangunsicherheit sowie Augenbewegungsstörungen. Ein nach unten schlagender Nystagmus (sog.
Downbeat-Nystagmus), der mit Sehstörungen einhergeht, ist wie bei der SCA6 nicht selten. Daneben
kann die Feinmotorik der Hände abnehmen und eine verwaschene Sprache auftreten. Seltener sind
leichte Gefühlsstörungen an den Beinen oder Probleme beim Wasserlassen.

Verlauf/Prognose

Der Erkrankungsbeginn ist typischerweise um das 60. Lebensjahr. Die Erkrankung kann aber auch
früher oder später beginnen. Bei Betroffenen, bei denen beide Genkopien des FGF14-Gens verändert
sind, zeigt sich die Erkrankung häufig schon früher und mit schwereren Symptomen. Wie bei anderen
genetischen Ataxien ist Anzahl der Trinukleotid-Repeats von Generation zu Generation nicht stabil.
Die Anzahl der GAA-Repeats kann sich sowohl erhöhen (häufiger bei mütterlicher Vererbung) als
auch verringern (häufiger bei väterlicher Vererbung). Dadurch kann es vorkommen, dass die
Erkrankung nicht in jeder Generation auftritt. Expansion mit mehr als 300 GAA-Repeats gelten als
sicher krankheitsverursachend. Expansionen mit 250 - 299 GAA-Repeats führen nur bei einem Teil
der Betroffenen zu Symptomen (sog. reduzierte Penetranz). Die Bedeutung von Expansionen von
etwa 200 - 249 GAA-Repeats ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht eindeutig geklärt. Neuere Studien
deuten jedoch darauf hin, dass auch in diesem Bereich ein Risiko für die Entwicklung von
Beschwerden bestehen könnte. Die Lebenserwartung ist durch die SCA27B nach aktuellem Wissen
nicht eingeschränkt. Einige Patienten sind im Verlauf der Erkrankung auf Hilfsmittel angewiesen. Ein
Rollstuhl wird selten benötigt.

Therapeutische Besonderheiten

Eine ursächliche Therapie steht derzeit noch nicht zur Verfügung. Erste Studien weisen darauf hin,
dass Aminopyridine die Symptome, insbesondere den Downbeat-Nystagmus und die episodisch
auftretenden ataktischen Beschwerden, lindern können. Wenn episodische Verschlechterungen
bestehen, und Aminopyridinen nicht eingenommen werden dürfen, kann Acetazolamid hilfreich sein.
Therapeutisch sind regelmäßige Physiotherapie, ggf. auch Ergotherapie und logopädische
Behandlungen, wichtig, unterstützt durch Rehabilitationsaufenthalte. Im Verlauf wird häufig die
Versorgung mit Hilfsmitteln, z. B. mit einem Rollator oder Rollstuhl, notwendig. Auch das häusliche
Umfeld muss zur Vermeidung von Stürzen und Sturzfolgen im Verlauf häufig angepasst werden.