Seit über einem Jahr gehen Franz-Josef und ich einmal im Monat zum „Heilsamen Singen“ ins Café Wertvoll. Geheilt bin ich noch nicht, aber diese positive Wirkung ist enorm. Wir können es kaum erwarten und freuen uns direkt schon aufs nächste Mal. Ich habe schon viel von dieser Stimmung profitiert, d.h. diese positive Energie baut mich immer wieder auf. Anfangs waren wir 11 Personen, inzwischen sind wir immer 30 - 35 Leute.
Die Texte sind wie Ohrwürmer, die immer wieder im Kopf schwirren. So habe ich Jonas die Zeit, in der er sein Studium beendete, in meinen Gedanken begleitet.
Ja, ich habe ihm sogar einmal vorgesungen:
„Wenn du nicht mehr weißt, wie stark du bist, wie stark du bist. Ja, dann komm zu mir und ich erinnere dich, ich erinnere dich, wie stark du bist, wie stark du bist …“
Alle diese Lieder sprechen das Selbstwertgefühl an und den achtsamen Umgang mit sich selbst.
Es kommt nicht auf die Tonlage an – jeder singt so, wie er möchte und wenn man Lust hat, kann man das Lied rhythmisch begleiten. Es liegen immer Instrumente in der Mitte, die dazu einladen, mitzuspielen.
Und wenn ich mal nicht mitsingen will – höre ich einfach zu. Das gemeinsame Singen tut uns gut und wir werden es fortsetzen. Ich denke, es sind auch Emotionen, die uns immer wieder dort hintragen und dem gemeinsamen Singen einen „Wohlfühlcharakter“ vermitteln. Jeden Morgen starte ich seither mit dem Lied: „Beginne jeden Tag mit einem Lächeln, beginne jeden Tag mit einem ersten Schritt, beginne jeden Tag mit deiner Liebe. Singe ein Lied und alle singen mit.“ In diesem Sinne will ich sagen; Musik macht nicht nur Freude – sie verbindet. Ja, sie ist für mich „Würze des Lebens“.
Da kommt mir ein Lied von Rolf Zuckowski in den Kopf „Lieder, die wie Brücken sind…“
Link zu Youtube: Lieder, die wie Brücken sind
Marina Stüber
Hier heißt es:
Lieder die wie Brücken sind
Die braucht jeder Mann
Jede Frau und jedes Kind
Braucht sie sicher irgendwann
Lieder, die wie Brücken sind
Scheinen schwach zu sein
Und ob sie uns tragen, liegt an uns allein
Und ob sie uns tragen, liegt an uns allein
Den Text habe ich, Gurli, hinzugefügt, denn genau so brauche ich Musik vor allem heute. Es gibt Lieder, da kann ich gar nicht anders als aufgemuntert zu sein und damit bin ich sicherlich nicht alleine. Erstens hat man mir genau das im Rahmen des Ataxiekomplex Programmes in der Uniklinik Bonn empfohlen, was mich dazu brachte, den ganzen Text von meiner spontanen ersten Textwahl zu lernen und nicht nur den Refrain. Zweitens schickte mir Genia aus aktuellem Anlass vor ein paar Monaten ihren „Aufbau-Song“, der seitdem fest in meinem Hirn verankert ist und so die Inspiration für dieses „Gesamtkunstwerk“ wurde.
Mein erster Text ist sehr altmodisch und auf Englisch; ich zitiere die entscheidenden Zeilen hier:
Lyrics
Catch a falling star and put it in your pocket
Never let it fade away (never let it fade away)
Catch a falling star and put it in your pocket
Save it for a rainy day (save it for a rainy day)
(Save it for a rainy, rainy, rainy day)
For when your troubles starting multiplying
And they just might
It's easy to forget them without trying
With just a pocketful of starlight
Catch a falling star and put it in your pocket
Never let it fade away (never let it fade away)
Catch a falling star and put it in your pocket
Save it for a rainy day
Save it for a rainy day
Auf Deutsch:
Fang eine Sternschnuppe und steck sie in deine Tasche
Lass sie niemals verblassen
Fang eine Sternschnuppe und steck sie in deine Tasche
Spar’ sie für einen Regentag
Denn wenn sich deine Probleme vermehren
Und das könnten sie ganz leicht
Ist es leichter, sie zu vergessen,
Mit einer Tasche voller Sternenlicht
Fang eine Sternschnuppe und steck sie in deine Tasche
Lass sie niemals verblassen
Fang eine Sternschnuppe und steck sie in deine Tasche
Spar’ sie für einen Regentag
Link zu Youtube: Perry Como - Catch a Falling Star (Audio)
Die schlimmste Zeit meines Lebens war während der Pubertät meines Sohnes, Lauritz, als er insgesamt vier Jahre schwerstkrank war und weder Ärzte noch Psychiater herausfinden konnten, an was er litt. Wir Eltern bemerkten seine Probleme während unseres zweiten Aufenthalts in Princeton, USA, wo es eine der wenigen erfreulichen Sachen für ihn war, im Schulchor zu singen. Lauritz konnte sich an einem der Lieder besonders aufbauen und seitdem gehört dieses Lied ebenfalls zu meinen Lieblingen. Es handelt sich um ein altes Quäkerlied: „How can I keep from Singing“:
My life flows on in endless song,
above earth’s lamentation.
I catch the sweet, though far-off hymn
that hails a new creation.
Refrain:
No storm can shake my inmost calm
while to that Rock I’m clinging.
Since Love is lord of heav’n and earth,
how can I keep from singing?
Through all the tumult and the strife,
I hear that music ringing.
It finds an echo in my soul.
How can I keep from singing? [Refrain]
What though my joys and comforts die,
I know my Savior liveth.
What though the darkness gather round?
Songs in the night he giveth. [Refrain]
The peace of Christ makes fresh my heart,
a fountain ever springing!
All things are mine since I am his!
How can I keep from singing? [Refrain]
Platt gesagt, drückt das Lied aus, obwohl es jede Menge Jammer und Elend gibt, ist die Schöpfung und das Leben an sich so großartig, dass man aus Freude nur singen kann.
Für Youtube habe ich eine Version aus der CoViD-Zeit gewählt mit dem N(ew)Y(ork)C(ity) Virtual Choir and Orchestra, denn damals brauchten wir alle aufbauende Musik, erst recht in New York, das viel schlimmer betroffen war als wir hier in Deutschland.
Link zu Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=VLPP3XmYxXg
Gurli Jacobsen
Musik lässt uns besser leben
Neulich war´s …
Ich höre sehr viel Radio, selten „Gedudel“, meistens sehr bewusst ausgewählte Sender, die Informationen oder eben Musik in ihren Programmen haben. Und um Musik soll es in diesem kleinen Beitrag gehen. Wenn Sie mögen, spielen Sie eine Musik im Hintergrund, die Ihnen gefällt. Der Radiomoderator forderte die Hörer auf: „Sprechen Sie mit uns! Überlegen Sie bitte, ob Sie sich an Ereignisse erinnern, bei denen eine bestimmte Musik für Sie wichtig wurde.“ Mir lag es fern anzurufen, aber die Frage nach Erinnerungsstücken blieb in meinem Kopf. Meine Erinnerung schraubte sich Jahrzehnte zurück. 1966, als Zehnjährige, begann ich für Heintje zu schwärmen. Heintje habe ich heiß geliebt, … soo ein süßes Gesicht, … soo eine schöne Stimme, … solche süßen Sommersprossen! Der erste Erfolg war der Schlager „Mama“, den Liedtext fand ich schmalzig und furchtbar, aber das tat der Liebe keinen Abbruch.
Als Jugendliche gab es einen anderen Schwarm, allerdings kein bekannter Star -- aber auch er war soo süß! Helmut hieß er und wir waren sehr verknallt. Auf einer Party passierte, was beide erhofften, nämlich der erste „richtige“ Kuss – ich hatte leider eine Zahnspange, was mir sehr unangenehm war. Während des denkwürdigen Ereignisses spielte der Plattenspieler „Obladi, Oblada“ von den Beatles, deswegen erinnere ich es so genau. Die Musik ist der Anker der Erinnerung. Einen Lebensabschnitt später wechselten sich Tamla Motown Musik, Soul, Joan Baez, Leonard Cohen und viele andere ab, je nachdem ob es gerade um Liebesleid oder Liebesfreud im Leben ging. Und diese Musik brachte mich in absolute Tanzlaune und den Körper stundenlang in Bewegung.
Die zweite Schwangerschaft führte dazu, dass unsere Erstgeborene um den Bauch geschlungen wurde und dann haben wir quasi zu dritt ziemlich wild getanzt. Der Anlass dafür war ein Ohrwurm des Sängers Peter Allen „When my baby goes to Rio”!
Link zu YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=cTGRouQ4W-Y
Die zweite Tochter war kaum geboren, als die Frauenbewegung so richtig Fahrt aufnahm. Musik von Ina Deter „Neue Männer braucht das Land“ oder Ulla Meineke „Tänzerin im Sturm“ sind Titel, die in meinem Gedächtnis fest verankert sind.
In dieser Weise lief es Jahrzehnte weiter, bis ich merkte, dass ich nicht mehr so akrobatisch, begeistert und unbeschwert tanzen konnte wie sonst – die SCA1 machte sich immer bemerkbarer. Mein Tanzen reduzierte sich auf leicht rhythmische Bewegungen. Immer griffbereit etwas zum Stabilisieren. Im Rahmen einer Massageausbildung vor drei Jahren hatte ich unverhofft so etwas wie ein Erweckungserlebnis. Zum Aufwärmen vor der „Arbeit“ wurde Musik gespielt, die dazu dienen sollte, den Körper und die Bewegungen geschmeidiger zu machen. Ich bewegte mich so standfest, wie es eben möglich war. Dann folgte ein Song von Alice Merton „No roots“ – für mich ein reines „Power Lied“ (https://www.youtube.com/watch?v=PUdyuKaGQd4), dessen Rhythmus jede Zelle meines Körpers erfasste. Um mich herum hüpften und stampften 16 weitere Teilnehmerinnen. Und dann habe ich mich einfach getraut, hüpfte und sprang in die Luft, was das Zeug hielt – no roots in my feet! Für mich sensationell und überwältigend gut. Ich war nur glücklich und überrascht, wie man sich selbst über eigene Glaubenssätze hinwegsetzen kann. Mein Körper wurde mit Energie aufgetankt und deswegen war und ist dieser Titel so wichtig. Wo gibt es (für alle Altersklassen) Angebote für Menschen mit Handicap, bei denen „freies Tanzen, freie Bewegung“ angeboten werden? Das wäre eine Idee und ein Wunsch für die regionalen Sportvereine, die über Räume verfügen. Nicht, weil wir Ataxler manche Bewegungen nicht mehr machen können, verlernen wir diese – sondern weil wir viel zu früh nicht wagen, aus der Komfortzone auszusteigen. Ich wünsche uns allen, neugierig zu bleiben, Grenzen zu überwinden und uns mit Musik und Bewegung ein Stück Lebensqualität zurückzuerobern und Spaß zu haben. Wenn nicht jetzt, wann dann?
Genia Dohnke