18.05.2007
Ich habe die Friedreich-Ataxie und bin schwanger.
In einer Zeitung habe ich gelesen, dass bei Erkrankungen des Zentralen Nervensystems keine Periduralanästhesie (PDA) durchgeführt werden kann. Ist das richtig?
Prof. Dr. Ludger Schöls, Tübingen:
Eine Literaturrecherche bezüglich Anästhesie bei Friedreich-Ataxie ergab nur wenige Einzelfallbeichte und keinerlei systematische Untersuchung, die eine fundierte Aussage ermöglichen würde.
Bei der Periduralanästhesie (PDA) handelt es sich um ein spezielles, lokales Narkoseverfahren, bei dem das Narkosemittel in den (meist) unteren Bereich der Wirbelsäule gespritzt wird; es breitet sich dann entlang der Nerven aus und schaltet die Schmerzempfi ndung in den entsprechende Regionen aus (sog. Leitungsanästhesie) und wird u.a. auch in der Geburtshilfe eingesetzt. Immerhin gibt es zwei Berichte über komplikationslose spinale Anästhesien für eine Sectio caesarea (Kaiserschnitt) bei Patientinnen mit Friedreich-Ataxie. Nach Rücksprache mit den hiesigen Anästhesisten sehen diese genauso wenig wie ich eine grundsätzliche Kontraindikation für eine spinale (Rückenmarks-) oder peridurale Anästhesie (PDA) bei Patienten mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems im Allgemeinen und mit Friedreich-Ataxie im Besonderen. Jedoch kann eine PDA, ebenso wie eine spinale Anästhesie, bei ausgeprägter Skoliose (Verbiegung der Wirbelsäule) von Seiten der Punktion her technisch schwer durchzuführen sein.
Grundsätzlich sollte ein Friedreich-Patient wegen der häufi g assoziierten Kardiomyopathie (Vergrößerung des Herzmuskels) vor einer Anästhesie/Operation eine Echokardiographie zur Beurteilung der Pumpfunktion des Herzens machen lassen.
Ich würde mich freuen, wenn Sie über Ihre Erfahrungen mit einer peripartalen (Zeitraum um die Entbindung herum) Anästhesie berichten würden. Sehr hilfreich wäre es auch, wenn Sie sich das Anästhesieprotokoll kopieren lassen würden, da wir in Zusammenarbeit mit der DHAG sowohl positive als auch negative Verläufe verschiedener Anästhesieformen bei Ataxien-Patienten sammeln und auswerten wollen.