Deutsche Heredo-Ataxie Gesellschaft e.V.

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18.05.2007

Intentionsgesteuertes Myofeedback

Von Dr. med. Dirk Heinicke,
Oberarzt am Rehabilitationszentrum für Kinder, Jugendliche
und junge Erwachsene, Klinik Bavaria, Zscheckwitz:

Die Buchstabenkombination IMF steht für Intentionsgesteuertes Myofeedback. Darunter wird ein neurophysiologisches Therapieverfahren verstanden, in dem verschiedene Elemente von mentalem (geistigem) Training und Erleben von Bewegungserfahrungen und –mustern miteinander verknüpft werden. Die Entwickler dieser Therapieform bezeichnen das Verfahren auch als eine „Nervenschule für Gelähmte mit bewegenden Erfolgen“. Grundlage der Therapie ist ein sog. „mentales Training“ auf der Grundlage einer Gedächtnisrepräsentation zur Aktivierung physiologischer Bewegungsmuster aus der Zeit vor der Erkrankung, unter kontrollierten Bedingungen.

Was ist darunter zu verstehen?
Im Laufe unserer motorischen Entwicklung vom Säugling in das Kindesalter hinein lernen wir, verschiedene Bewegungsabläufe auszuführen, um sie später unabhängig von unserem Bewusstsein, quasi „automatisiert“ auszuführen. Dazu gehören z. B.
das Stehen, Laufen, Springen und viele komplizierte Bewegungsübergänge. Voraussetzungen für das Erlernen und spätere unbewusste Wiederabrufen dieser
Bewegungsmuster ist eine „Abspeicherung“ der Bewegungsabläufe im Kleinhirn.
Die IMF-Therapie setzt hier in ihrem theoretischen Konzept an. Es wird versucht, dem Patienten verloren gegangene Bewegungsmuster mental, d. h. im Geiste, wieder vorzuführen und damit beim Betroffenen die Vorstellung für einen Bewegungsablauf wieder zu wecken. Im Ergebnis dieser „Bewegungsvorstellung“ soll eine Aktivierung motorischer Einheiten in den nicht mehr voll funktionstüchtigen Muskeln erreicht werden, die dann dem Betroffenen durch eine graphische Aufzeichnung (Elektromyogramm) auch tatsächlich vor Augen geführt (visualisiert)
wird. Diese Wahrnehmung führt gleichzeitig zu einer Verbesserung der tatsächlichen Ansteuerung bestimmter Muskelgruppen. Die Initiatoren der Therapiemethode berichten über gute Langzeiterfolge vor allem bei unfallbedingten, erworbenen Bewegungsstörungen, die vor allem schlaffe oder spastische Lähmungen betreffen.
Die meisten Ataxieerkrankten, die an einer sog. Heredoataxie auf genetischer Grundlage und nicht durch ein äußeres Schädigungsereignis erworbener Ataxie
leiden, profi tieren nur wenig von einer solchen Behandlungsmethode, da bei den meisten Ataxieformen die Grundlage für das Erinnern an die Bewegungsabläufe (Kleinhirn) in Mitleidenschaft gezogen ist. Insofern wird diese spezielle Therapiemethode nur für wenige Ataxiebetroffene eine relevante Therapieergänzung zu den üblichen Therapiemethoden auf neurophysiologischer Grundlage darstellen.
In Deutschland wird das therapeutische Konzept vor allem für Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma, nach Schlaganfall und bei inkompletter Querschnittsläsion angewandt, unter anderem auch in den Rehabilitationskliniken Beelitz und Holthausen-Hattingen.

Eine entsprechende Homepage mit Videobeispielen
und weiterführenden Erläuterungen zur Therapiemethode
ist unter www.imf-therapie.de erreichbar.