Hier genügt es, wenn ein Elternteil das veränderte Gen trägt, da es zum Ausbruch der Krankheit ausreicht, wenn nur ein verändertes Gen vorhanden ist. Dies bedeutet aber auch, daß nur Eltern, die selbst erkrankt sind oder eventuell noch erkranken werden, das Gen weitergeben können. Hier tritt die Krankheit in jeder Generation auf.
Hier sind zuerst die genetisch bedingten Ataxie-Erkrankungen zu nennen, denen der autosomal-dominante Erbgang zugrunde liegt (autosomal-dominante zerebelläre Ataxie =ADCA). Diese Ataxie-Erkrankungen lassen sich zum einen nach weiteren Symptomen und zum anderen nach der Lage des die Krankheit verursachenden, veränderten (mutierten) Gens auf den Chromosomen weiter unterscheiden. Die ADCA kommen mit einer Häufigkeit von ca. 1 : 100. 000 vor.
Bei der ADCA vom Typ I (ADCA I) treten neben der Ataxie weitere Symptome wie Atrophie der Sehnerven (Optikusatrophie), Schluckstörungen (Dysphagie), gesteigerte Reflexantworten (Hyperreflexie), Bewegungshemmung oder Bewegungsarmut (Akinese), bis zur Steifheit erhöhte Muskelspannung (Rigor) u. a. auf. Frühere, nicht mehr zu verwendende Krankheitsbezeichnungen für die ADCA I sind olivo-ponto-zerebelläre Atrophie (OPCA), Pierre-NonneMariesche Krankheit, OPCA Typ Menzel, OPCA Typ Holmes.
Nach genetischen Gesichtspunkten erfolgt eine weitere Unterteilung innerhalb der heterogenen Gruppe der ADCA in spino-zerebelläre Ataxien (SCA) unterschiedlicher Typen. Gemeinsames Merkmal aller dieser Ataxien ist die Gangataxie. Bestimmte Unterschiede der Symptomatik lassen manchmal einen Schluß auf den Typ der SCA zu, Gewißheit bringt jedoch erst die molekulargenetische Analyse. Die spino-zerebellären Ataxien (SCA) innerhalb der Gruppe der autosomal-dominanten zerebellären Ataxien (ADCA) lassen sich folgendermaßen charakterisieren:
SCA1: Rund 6 % aller ADCA, Genmutation auf Chromosom 6p nachgewiesen, zusätzlich treten periphere Neuropathien auf;
SCA2: Rund 15 % aller ADCA, Genmutation auf Chromosom 12q nachgewiesen, oft werden langsame, ruckartige (sakkadische) Augenbewegungen, eine periphere Neuropathie und verminderte tiefe Sehnenreflexe gesehen;
SCA3 oder Machado-Joseph-Krankheit (MJD) : Rund 21 % aller ADCA, Genmutation auf Chromosom 14q nachgewiesen, hier treten neurologische Symptome (Pyramidenbahn-und extrapyramidale Zeichen), Augenbewegungsstörungen (Nystagmus, verminderte Sakkadengeschwindigkeit) und eine Augenlidretraktion sowie unwillkürliche Muskelzuckungen (Faszikulationen) und Störungen der Sensorik auf;
SCA4: sehr selten, Genmutation auf Chromosom 16q vermutet, eine sensorische Neuropathie gehört dazu;
SCA5: sehr selten, Genmutation auf Chromosom 11 vermutet, beginnt sehr früh und verläuft langsam;
SCA6: Rund 15 % aller ADCA, Genmutation auf Chromosom 19p nachgewiesen, verläuft manchmal episodisch und hat einen sehr langsamen Verlauf;
SCA7: Rund 5 % aller ADCA, Genmutation auf Chromosom 3p nachgewiesen, geht mit dem Verlust des Sehvermögens durch eine Netzhautdegeneration (Retinopathia pigmentosa) einher;
SCA8: Rund 2 –5 % aller ADCA, Genmutation auf Chromosom 13q nachgewiesen, zeigt lebhafte Reflexe und eine Verminderung der Vibrationsempfindung;
SCA9 ist nicht definiert;
SCA10: sehr selten, Genmutation auf Chromosom 22q vermutet, kommt gelegentlich mit Krampfanfällen (epileptischen Anfällen) vor;
SCA11: sehr selten, Genmutation auf Chromosom 15q vermutet, verläuft sehr mild und zeigt kaum eine Progredienz;
SCA12: sehr selten, Genmutation auf Chromosom 5q nachgewiesen, geht zu Beginn mit einem Tremor und später mit einer Demenz einher.
In der wisscenschaftlichen Forschung wurden in den vergangenen Jahren weitere Genmutationen gefunden, die mit SCA 13 bis SCA 28 (Stand 2006) bezeichnet sind.
Die Beschreibungen dieser einzelnen Untergliederungen werden z.Zt. erarbeitet und dann hier eingefügt.
Bei der ADCA vom Typ II tritt neben der Ataxie hauptsächlich eine Netzhautdegeneration mit Pigmentierungsstörungen auf. Nach genetischer Einteilung handelt es sich hierbei um die seltene SCA7. Bisher wurde lediglich eine Familie mit SCA7 in Deutschland beschrieben.
Bei der ADCA vom Typ III handelt es sich um eine reine Kleinhirnataxie (zerebelläre Ataxie =CA) mit einer entsprechenden ataktischen Symptomatik. Diese scheint nach neueren Forschungsergebnissen aus Japan mit der SCA4 identisch zu sein.
Zu den dominanten Ataxie-Erkrankungen gehören auch die Episodischen Ataxie-Erkrankungen (EA), bei denen nach gewissen Zeitabständen für einen bestimmten Zeitraum eine Ataxie auftritt (periodisch) . Bei der EA Typ 1 (EA1) wurde eine Mutation im Gen eines Kaliumkanals, bei der EA2 eine Mutation im Gen eines Kalziumkanals nachgewiesen. Es handelt sich bei dem Gen für diesen Kalziumkanal um das gleiche Gen wie bei der SCA6.
Eine Sonderform stellt die Dentato-rubro-pallido-luysiane Atrophie (DRPLA) dar, die in Deutschland nicht bekannt ist, in Japan jedoch mit einer Häufigkeit von 0, 2 bis 0, 7 : 100. 000 auftritt.